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Vortrag: Erinnerungsarbeit als Friedensdienst. Ein Jahr im Jewish Museum London – ein Erfahrungsbericht

Mittwoch 09.11.2022, 19:00 Uhr
Referentin: Lotta Aldenborg
Vortragsraum des Museum Religio, Herrenstraße 1–2, 48291 Telgte

Der Verein „Erinnerung und Mahnung Telgte“ lädt anläß­lich des 84. Gedenktages der reichs­wei­ten Novemberpogrome zu einer Veranstaltung ein.

Ein Jahr lang leis­te­te die Referentin nach dem Abitur Freiwilligendienst bei der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.“ Dabei wur­de sie u.a. von unse­rem Verein unter­stützt. Einsatzort war das Jüdische Museum in London. Sie hat dort u.a. orksWhops für Schulklassen ver­schie­de­nen Alters abge­hal­ten, bei denen Überlebende der Kindertransporte über ihre Erlebnisse berich­te­ten. Andere Workshops befass­ten sich anhand der Geschichte von Holocaust-Überlebenden mit dem Umgang mit Verlust und Trauer. Weitere Projekte dien­ten dazu, die Vielfalt des Judentums abzu­bil­den. Dazu gehör­te z.B. der Besuch jüdi­scher Wohnviertel, die Arbeit mit ortho­do­xen Schulklassen und die Erforschung der Bedeutung von Museumsobjekten gemein­sam mit den Bewohnern jüdi­scher Altenheime. Die Betreuung von Kinder- und Familientagen mit Bastelaktionen erwei­ter­ten das Spektrum eben­so wie das gemein­sa­me Backen des tra­di­tio­nel­len, der „Challah“, des jüdi­schen Zopfbrotes.

Stadtführung: Jüdisches Leben in Telgte

Sonntag, 25.09.2022 | 15:00 Uhr | Treffpunkt Marktplatz

Der Verein „Erinnerung und Mahnung Telgte“ lädt erneut zu einer Führung zu Stätten jüdi­schen Lebens in Telgte ein. Die Führung über­nimmt Frau Gertrud Stümper.

Die Führung zeigt die erhal­te­nen Spuren der jüdi­schen Gemeinschaft und Religionsausübung wie Friedhof und Synagoge. Sie führt zu ehe­ma­li­gen Wohn- und Geschäftshäusern und lässt damit das jahr­hun­der­te­lan­ge Zusammenleben von Christen und Juden in der Stadt unter wech­seln­den poli­ti­schen und sozia­len Bedingungen leben­dig wer­den. Die Schicksale jüdi­scher Familien wer­den dar­ge­stellt. Aufgezeigt wer­den auch die erhal­te­nen Spuren der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt sowie Aktionen des Gedenkens und der Kontaktpflege zu über­le­ben­den jüdi­schen Mitbürgern.

Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Gedenktag am 27.01.2022

Eine gemein­schaft­li­che Veranstaltung des Vereins »Erinnerung und Mahnung Telgte«, des St. Rochus-Hospitals und der Pfarrgemeinde St. Marien.

Der Verein „Erinnerung und Mahnung Telgte“, das St. Rochus-Hospital und die Pfarrgemeinde St. Marien laden anläss­lich des natio­na­len und inter­na­tio­na­len Gedenktages dazu ein, der Opfer des Nationalsozialismus zu geden­ken.
Termin: Do, 27.01.2022, 17.00
Ort: Pfarrkirche St. Clemens, Telgte

Unser Gedenken gilt den­je­ni­gen Menschen, die wäh­rend der NS-Zeit ver­folgt wur­den. Besonders wol­len wir gemein­sam an die­je­ni­gen erin­nern, die in Telgte Opfer der Verfolgung wur­den, weil sie Juden oder Sinti waren oder weil sie auf­grund einer geis­ti­gen Behinderung oder psy­chi­schen Erkrankung als lebens­un­wert gal­ten. Einige stamm­ten aus Familien, die z.T. schon seit Generationen in Telgte ansäs­sig waren oder waren Patienten, die im hie­si­gen St. Rochus-Hospital Heilung und Pflege gesucht hatten.

Priv.-Doz. Dr. med. Barbara Elkeles
Verein „Erinnerung und Mahnung Telgte“

Peter van Elst
St. Rochus-Hospital

David Krebes
St. Marien

Hinweis: Während der gesam­ten Veranstaltung müs­sen Masken (medi­zi­ni­scher MundNasenschutz oder FFP2-Masken) getra­gen werden.

Ausstellung: Werke von Mundinger

Bilder eines Lebensweges

Bis zum 20.02.2022 wird in den Ausstellungsräumen des Modehauses Ebbers in Warendorf eine Ausstellung mit Werken des Künstlers, Wirtschaftswissenschaftlers und spä­te­ren Landtagsabgeordneten Friedrich Wilhelm Mundinger gezeigt, der wäh­rend der NS-Zeit seit 1936 in der Bauernschaft Schwienhorst in Telgte leb­te. Die Familie wur­de ver­folgt, da die Ehefrau Jüdin war. 

Trotz der wid­ri­gen Zeitumstände zei­gen die aus­ge­stell­ten Aquarelle fast alle typi­sche Landschaftsbilder aus dem Münsterland, die Stimmung der Bilder ist freund­lich bis hei­ter und warm. 

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Kaufhauses zugänglich. 

Vortrag „Religiöse Minderheit und Mehrheitsgesellschaft ‑Jüdisch-christliche Ehen in Telgte 1850–1950“

Der Verein „Erinnerung und Mahnung Telgte“ lädt anläss­lich des 83. Gedenktages der reichs­wei­ten Novemberpogrome zu einer Vortragsveranstaltung ein. 

Referentin: Barbara Elkeles 
Termin: Mi, 10.11.2021, 19:00 Uhr
Ort: Pfarrheim St. Clemens, Kardinal-von-Galen-Platz 13, Telgte

Bevor im Jahr 1875 die Zivilehe im Deutschen Reich ein­ge­führt wur­de, waren Ehen zwi­schen Christen und Juden – vor allem im länd­li­chen west­fä­li­schen Raum – sel­te­ne Ereignisse, denen fast immer die Konversion des jüdi­schen Partners vor­aus­ging. Ehen, in denen bei­de Partner ihre Religionszugehörigkeit behiel­ten, blie­ben abso­lu­te Einzelfälle. Überraschenderweise konn­te in zwei alt­ein­ge­ses­se­nen jüdi­schen Familien aus Telgte für bei­de Möglichkeiten ein Beispiel gefun­den wer­den: Eine Heirat im Jahr 1852, der die Konversion der jüdi­schen Frau zum Katholizismus vor­aus­ging sowie eine im Jahr 1870 im Ausland geschlos­se­ne Ehe, in der bei­de Partner ihre Religionszugehörigkeit behiel­ten. Diese Familie leb­te spä­ter in Lippstadt. In dem Vortrag wer­den die Schicksale bei­der Familien über meh­re­re Generationen ver­folgt und die Reaktionen ihrer jüdi­schen wie christ­li­chen Umwelt auf­ge­zeigt. Ergänzend wird punk­tu­ell das Schicksal eini­ger wei­te­rer jüdisch-christ­li­cher Familien, die aus Telgte stamm­ten oder in Telgte leb­ten, wäh­rend der NS-Zeit dargestellt. 

Priv.-Doz. Dr. med. Barbara Elkeles
Vorsitzende „Erinnerung und Mahnung Telgte“ 


Pressebericht zu die­ser Veranstaltung:

Der Verein „Erinnerung und Mahnung Telgte“ lud am 10.11.2021 zu einer Veranstaltung anläß­lich des 83. Gedenktages der reichs­wei­ten Novemberpogrome ins Pfarrheim St. Clemens ein. Die Vorsitzende, Dr. Barbara Elkeles, berich­te­te vor einem sehr inter­es­sier­ten Publikum über ihre aktu­el­len Forschungen zu jüdisch-christ­li­chen Mischehen zwi­schen 1850 und 1950. Anhand der Geschichte zwei­er Telgter Familien zeig­te sie, dass es in sel­te­nen Fällen Eheschließungen über die Grenzen von Religionszugehörigkeit und sozia­le Gruppe hin­aus gab. Dies konn­te zum Bruch mit dem jüdi­schen Elternhaus füh­ren, aller­dings exis­tiert auch ein Beispiel für ein gelun­ge­ne­res Zusammenleben. 

Außerdem ging sie auf das Schicksal christ­lich-jüdi­scher Familien in der NS-Zeit ein. Im Rahmen der Novemberpogrome wur­den auch jüdi­sche Mitbürger, die in Mischehen leb­ten, ver­haf­tet. Das galt auch für Julius Auerbach aus Telgte, der nach sei­ner Freilassung nach Belgien und Frankreich floh. Dort wur­de er erneut inhaf­tiert, ins Lager Drancy ver­schleppt und von dort aus nach Auschwitz depor­tiert, wo er umkam. 

Auch die nicht­jü­di­schen Ehepartner in Mischehen und die aus den Ehen her­vor­ge­gan­ge­nen Kinder wur­den als „Jüdisch Versippte“ bzw. soge­nann­te „Mischlinge“ ver­folgt. Vor allem am Beispiel der 1936 nach Telgte zuge­zo­ge­nen Familie Mundinger, in der die Ehefrau jüdi­scher Herkunft war, lässt sich zei­gen, dass die Kinder erheb­li­che Einschränkungen bzgl. ihrer Bildungsmöglichkeiten erfuh­ren. Die Familie war immer wie­der von Denunziationen und Strafverfolgung bedroht und muss­te seit Ende 1944 Zwangsarbeit ver­rich­ten muss­te. Erst kurz vor Kriegsende konn­ten die Familienmitglieder bei Bauernfamilien in Delbrück untertauchen. 

Ausstellung im Rathaus-Foyer Telgte: „Du Jude!“

24. Oktober bis 25. November 2021
Ausstellung des Vereins Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. im Rathaus ‑Foyer Telgte.

Am Sonntag, den 24. Oktober, wird um 11:00 Uhr die Ausstellung „Du Jude!“ des Vereins Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. im Rathaus – Foyer Telgte eröff­net.
Begrüßung: Wolfgang Pieper, Bürgermeister der Stadt Telgte
Einführungsvortrag: Dr. Hans Gummersbach. Der VHS-Direktor a.D. ist Historiker und hat zahl­rei­che Publikationen über jüdi­sches Leben in der
Region sowie in Deutschland veröffentlicht.

Häufig wird Judenfeindschaft immer noch als his­to­ri­sches Phänomen betrach­tet und vor­wie­gend mit dem Nationalsozialismus ver­knüpft. Dass Antisemitismus jedoch ein all­täg­li­ches Problem für Jüdinnen und Juden in Deutschland dar­stellt, er ver­schie­de­ne, auch neue­re Formen annimmt und in allen Schichten der Gesellschaft anzu­tref­fen ist, dar­auf wei­sen empi­ri­sche Studien seit Jahren hin. Daraus ergibt sich der Bedarf einer umfas­sen­den poli­ti­schen Bildungsarbeit.
Die Ausstellung, die nicht nur grund­sätz­lich über Antisemitismus infor­miert, son­dern vor allem den Bezug zu Alltagswelten von Jugendlichen her­stellt, möch­te aktu­el­le Formen der Judenfeindschaft zum Thema machen. Dies geschieht mit­hil­fe von zahl­rei­chen Beispielen, unter ande­rem aus den Bereichen Musik,
Sport, Internet und natür­lich Schule. Die Perspektiven und all­täg­li­chen Erfahrungen von Jüdinnen und Juden sowie die Bedrohungslage für jüdi­sches Leben in Deutschland wer­den so sicht­bar gemacht.
Die Ausstellung wur­de ent­wor­fen vom Projekt „Jederzeit wie­der! Gemeinsam gegen Antisemitismus“ der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Kooperation mit der Landeszentrale für poli­ti­sche Bildung Nordrhein-Westfalen.

Die Ausstellung wird in Kooperation mit der VHS Warendorf und Erinnerung und Mahnung – Verein zur Förderung
des Andenkens an die Juden in Telgte e.V. gezeigt.


Pressebericht zur Ausstellung:

Ausstellung „DU Jude!“ zum gegen­wär­ti­gen all­täg­li­chen Antisemitismus im Rathausfoyer (24.10.2021 bis 10.11.2021) 

In Zusammenarbeit zwi­schen der Stadt Telgte, der VHS Warendorf und dem Vereins Erinnerung und Mahnung wird vom 24.10.2021 bis zum 10.11.2021 eine Ausstellung zum Thema zum Thema Antisemitismus mit dem Titel „Du Jude!“ im Rathausfoyer gezeigt. Diese Ausstellung wur­de vom Verein für christ­lich jüdi­sche Zusammenarbeit in Köln in Kooperation mit der Landeszentrale für poli­ti­sche Bildung Nordrhein-Westfalen erar­bei­tet. In der Ausstellung wird dar­ge­stellt, dass Antisemitismus sich nicht auf ein – oft über­wun­den geglaub­tes  ‑his­to­ri­sches Phänomen beschränkt, son­dern auch heu­te noch ein all­täg­li­ches Problem für Jüdinnen und Juden in Deutschland dar­stellt, der ver­schie­de­ne, auch neue­re Formen annimmt und in allen Schichten der Gesellschaft anzu­tref­fen ist. Die Ausstellung stellt vor allem den Bezug zu Alltagswelten von Jugendlichen her und macht aktu­el­le Formen der Judenfeindschaft zum Thema. Beispiele stam­men aus ver­schie­dens­ten gesell­schaft­li­chen Bereichen, unter ande­rem aus den Bereichen Musik, Sport, Internet und Schule. Dadurch wer­den die Perspektiven und all­täg­li­chen Erfahrungen von Jüdinnen und Juden sowie die Bedrohungslage für jüdi­sches Leben in Deutschland sicht­bar gemacht.

Bei der Ausstellungseröffnung am 24.10.2021 beton­te Bürgermeister Wolfgang Pieper, dass Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in unse­rer Stadt kei­nen Platz haben dür­fen. Die Vorsitzende unse­res Vereins, Dr. Barbara Elkeles, wies dar­auf hin, dass wir den Kampf gegen den Antisemitismus vor allem den­je­ni­gen Menschen schul­dig sind, die vor mehr als acht­zig Jahren Opfer natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Gewalt gewor­den sind. Der ehe­ma­li­ge Direktor der VHS, Dr. Hans Gummersbach, ver­wies in sei­nem Eröffnungsvortrag auf zahl­rei­che anti­se­mi­ti­sche Vorfälle und Anschläge seit 1945. VHS-Direktor Direktor Rolf Zurbrüggen wünsch­te zum Schluss, dass mög­lichst vie­le Bürger, vor allem auch jün­ge­re, die Ausstellung besu­chen mögen. 

Blumenschmuck auf den Gräbern von Leni und Moritz Auerbach auf dem Jüdischen Friedhof Telgte aus Anlass der Ausstellungseröffnung.

Lokalzeit Münsterland: Reportage über den Verein

Reportage des WDR über die Arbeit des Vereins in der Lokalzeit Münsterland am Mittwoch, 27. Januar 2021

Die Redaktion der Lokalzeit Münsterland nahm den natio­na­len Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus zum Anlass, über jüdi­sches Leben in Telgte und über die Arbeit unse­res Vereins zu berich­ten. Dreharbeiten erfolg­ten zunächst auf dem Gelände der ehe­ma­li­gen Synagoge in der Steinstraße, wo die Besitzerin über die Bedeutung des Gebäudes und die geplan­ten Arbeiten zur Instandsetzung, Renovierung und Restaurierung Auskunft gab. 

Anschließend wur­de im Rathaus gedreht. Hier stell­ten Mitglieder des Vorstandes unse­res Vereins mit Unterstützung der Archivarin, Julia Plötzgen, Quellen zur jüdi­schen Geschichte in Telgte vor und berich­te­ten über das Leben der jüdi­schen Familien sowie über die Arbeit des Vereins. Ein wei­te­rer Drehort war der restau­rier­te jüdi­sche Friedhof. Der Film beginnt und endet mit einer ein­fühl­sa­men Darstellung des Emswehrs, in dem in der NS-Zeit die Mehrzahl der jüdi­schen Grabsteine ver­senkt wurde. 

Es ist sehr erfreu­lich, dass wir mit die­sem Bericht Gelegenheit hat­ten, eine brei­te Öffentlichkeit über das Anliegen unse­res Vereins zu infor­mie­ren und die Erinnerung an die jüdi­sche Bevölkerung in Telgte auf­recht zu erhal­ten. Dies ist ein wich­ti­ger Beitrag zum Jubiläumsjahr 2021, in dem mit einer groß ange­leg­ten Aktion an 1700 Jahre jüdi­schen Lebens in Deutschland erin­nert wird.

Barbara Elkeles 

Nationaler Gedenktag am 27. Januar 2021

Den Opfern eine Stimme und eine indi­vi­du­el­le Biographie geben 

Gemeinsames Gedenken des Vereins Erinnerung und Mahnung Telgte und des St. Rochus-Hospitals zum natio­na­len Gedenktag am 27. Januar 2021 

Vor gut 25 Jahren erklär­te der dama­li­ge Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, das Datum der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, zum natio­na­len Tag des Gedenkens an die Opfer der Nationalsozialismus. Erinnert wird an die­sem Tag an die Ermordung der euro­päi­schen Juden, aber auch an die Opfer unter den Sinti und Roma, den Geistig Behinderten und psy­chisch Kranken, den Homosexuellen, den Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen sowie den aus poli­ti­schen Gründen Verfolgten. Mit Blick auf die jüdi­schen Opfer erhält der Tag im Jahr 2021 eine außer­or­dent­lich Bedeutung: Denn es ist ein bedeut­sa­mes Jubiläumsjahr, in dem an 1700 Jahre jüdi­schen Lebens in Deutschland erin­nert wird. Vor dem Hintergrund die­ser lan­gen gemein­sa­men Geschichte wird der Zivilisationsbruch der Judenverfolgung auf ganz beson­ders prä­gnan­te und erschüt­tern­de Weise erlebbar. 

Opfergendenktag telgte

Der Verein Erinnerung und Mahnung Telgte und das St. Rochus Hospital neh­men die­sen Tag zum Anlass, an die Telgter Opfer der Nationalsozialismus zu erin­nern, auch wenn eine ursprüng­lich geplan­te Gedenkfeier auf­grund der not­wen­di­gen Kontaktbeschränkungen nicht statt­fin­den kann. 

Auch in Telgte leb­ten ca. vier­hun­dert Jahre lang jüdi­sche Familien, oft über meh­re­re Generationen. Von den jüdi­schen Mitbürgern, die Ende der 1930er Jahre noch in Telgte wohn­ten, konn­ten nur vier Personen emi­grie­ren, neun kamen in den Ghettos und Vernichtungslagern ums Leben. Auch meh­re­re jüdi­sche Patientinnen des St. Rochus-Hospitals wur­den Opfer der Verfolgung. Wir ken­nen ihre Namen und ihre Geschichte und kön­nen sie auf die­se Weise aus der unvor­stell­ba­ren anony­men Masse der Opfer her­vor­ho­len: Gladys Strauss, Julie Löwenstein, Sophia Serphos. 

Julie Löwenstein, die aus Rietberg stamm­te, und ihre Mitpatientin Gladys Strauss wur­den am 21. September 1940 auf Anordnung des Reichsinnenministeriums aus dem St. Rochus-Hospital in die Landesheil- und Pflegeanstalt Wunstorf ver­bracht und von dort aus nach weni­gen Tagen in die Tötungsanstalt Brandenburg/Havel wei­ter trans­por­tiert, wo sie kurz dar­auf durch Gas ermor­det wur­den. Sophia Serphos, die aus der nie­der­län­di­schen Grenzregion stamm­te, wur­de am 07.01.1941 zunächst in eine Heilanstalt in Einthoven ver­legt und von dort aus trotz des ver­zwei­fel­ten Widerstandes der dor­ti­gen Ärzte 1944 über das Lager Westerbork nach Auschwitz depor­tiert, wo sie am 26. März 1944 ermor­det wurde. 

Diese drei Schicksale ste­hen stell­ver­tre­tend für die zahl­lo­sen Opfer der Nationalsozialismus, sie sind exem­pla­risch für unge­zähl­te ande­re. Die Erinnerung an ihre Leiden ver­leiht den Opfern eine Stimme, ein Gesicht, eine indi­vi­du­el­le Biographie. Und sie soll auch dazu die­nen, sie in die Erinnerungskultur der Telgter Stadtgesellschaft und des St. Rochus-Hospitals zu inte­grie­ren. Sie ist auch als Aufruf gegen Intoleranz, Ausgrenzung und Diskriminierung zu verstehen. 

Blumengesteck am Mahnmal in der Königstraße gestohlen

Nur weni­ge Tage über­dau­er­te das Blumengesteck, dass der Verein Erinnerung und Mahnung Telgte am Montag, den 09.11.2020, zum Gedenktag der Reichspogromnacht auf­ge­stellt hat­te. Unbekannte haben das Gesteck ent­fernt und nur den lee­ren Korb ste­hen las­sen, der an der Stele befes­tigt war. 

Glücklicherweise fan­den sich an der Gedenksäule kei­ne Schmierereien, so dass am ehes­ten von einem blo­ßen Diebstahl aus­zu­ge­hen ist. Gleichwohl  – am Platz der ehe­ma­li­gen Synagoge und nur weni­ge Tage nach dem Gedenktag – bekommt solch ein Akt einen beson­ders üblen Beigeschmack. Das Mahnmal und das an ihm abge­leg­te Gesteck ste­hen gegen Diskriminierung und Rassismus und für Toleranz und Humanität. Diese Haltungen und das Gedenken an die Opfer der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Verfolgung sind seit Jahren breit in der Telgter Stadtgesellschaft ver­an­kert. Wenn die­se Gedenkkultur unter­gra­ben wird, spricht das zumin­dest für Gleichgültigkeit und Respektlosigkeit gegen­über den Opfern, viel­leicht aber sogar für dif­fu­se Feindseligkeit und mehr oder weni­ger offe­nen Antisemitismus. 

Gedenken an die Pogromnacht am Mahnmal in der Königstraße

Zum Gedenken an die Novemberpogrome Jahren leg­te der Verein Erinnerung und Mahnung Telgte am 09. November ein Blumengesteck am Mahnmal in der Königstrasse nie­der. An die­ser Stelle stand bis zum 10. November 1938 die Synagoge der jüdi­schen Gemeinde Telgte. Sie war erst 1875 errich­tet worden. 

Die anti­jü­di­schen Ausschreitungen, die von den Nationalsozialisten zynisch als „Reichskristallnacht“ bezeich­net wur­den, erfolg­ten in Telgte einen Tag spä­ter als in den meis­ten Orten des Deutschen Reichs. Der Führer des ört­li­chen Reichsarbeitsdienstes hat­te es zuvor abge­lehnt, die Synagoge im Auftrag der SA ein­zu­rei­ßen. Stattdessen voll­zo­gen in der Nacht vom 10. zum 11. November SA-Einheiten aus Münster das Zerstörungswerk. Sie wur­den dabei von zahl­rei­chen Bewohnern unse­rer Stadt unter­stützt und beju­belt. Die Synagoge wur­de ver­wüs­tet, gebrand­schatzt und voll­stän­dig zer­stört. Zu die­sem Zeitpunkt leb­ten noch drei jüdi­sche Familien mit ins­ge­samt 12 Personen im Stadtgebiet. Sie wur­den gede­mü­tigt, gehetzt, miss­han­delt und z.T. ver­haf­tet. Ihre Wohn- und Geschäftshäuser wur­den beschä­digt. Nur weni­ge Telgter Bürger kamen ihren bedräng­ten jüdi­schen Nachbarn zu Hilfe. 

14 Monate spä­ter, am 09.01.1941, mel­de­te der Amtsbürgermeister von Telgte den Amtsbezirk als „juden­frei“. Nur vier jüdi­schen Mitbürgern war die Emigration gelun­gen. Die ande­ren wur­den in Ghettos und Konzentrationslager ver­schleppt und kamen um. Einige der ver­trie­be­nen jüdi­schen Familien waren schon seit Jahrhunderten in Telgte ansäs­sig. Außerdem fie­len meh­re­re jüdi­sche Patientinnen des St. Rochus-Hospitals der Verfolgung zum Opfer. 

Der Verein Erinnerung und Mahnung Telgte gedenkt mit der Aktion der Opfer der anti­jü­di­schen Gewalttaten zur Zeit des Nationalsozialismus. Neben dem Mahnmal in der Königstrasse erin­nern meh­re­re Stolpersteine sowie Gedenktafeln am Jüdischen Friedhof und am Emswehr an die 400jährige Geschichte Jüdischen Leben in unse­rer Stadt. 

Gerade in einer Zeit, in der wir mit Entsetzen beob­ach­ten, dass anti­se­mi­tisch moti­vier­te Gewalttaten wie­der häu­fi­ger wer­den, sind die Erinnerung an die Gräuel und die Mahnung zu Toleranz und Gewaltfreiheit wich­ti­ger denn je.