Opfer des Nationalsozialismus

Familie
Hermann Auerbach

1925 Familie Auerbach in Bad Oeynhausen

Die Familie Auerbach ist in Telgte seit Generationen sess­haft gewe­sen. 1767 wird ein Anselm Salomon Auerbach in den Einwohnerlisten auf­ge­führt. Er wohn­te im Haus Nr. 210 ( heu­te Bahnhofstraße 5 ). Mit Jakob Auerbach, gebo­ren 1802, beginnt die genau doku­men­tier­te Familiengeschichte, eine Geschichte von geschäft­li­chem Erfolg, Einsatz für die jüdi­sche Gemeinde und Achtung und Anerkennung als Bürger die­ser Stadt.

Die »Gebrüder Auerbach«, Moritz, Max und Hermann, führ­ten gemein­sam das flo­rie­ren­de Viehandelsgeschäft. An der Königstraße besa­ßen sie gro­ße Ställe für das auf­ge­kauf­te Vieh und am Münstertor gehör­te ihnen eine ca. 2 ha gro­ße Weide. Auf dem Großmarkt in Essen unter­hielt die Firma ein Verkaufskontor. Die Familien gehör­ten nach Wohlstand und Ansehen zur Telgter Oberschicht, so dass sie sich ein gro­ßes Auto mit eige­nem Fahrer, fer­ner Dienstpersonal, so zum Beispiel eine Erzieherin für die Kinder, und regel­mä­ßi­ge Urlaubsreisen leis­ten konn­ten.

1925 Familie Auerbach in Bad Oeynhausen

(v. l.) Ilse, Frl. Ricken (Erzieherin), Margot, Hilde, Laura, Julie, Leni (mit 18 Jahren gestor­ben, Grab auf dem jüdi­schen Friedhof in Telgte erhal­ten), hin­ten Johanna und Hermann

Moritz blieb Junggeselle und Max hei­ra­te­te Laura Fernholz, eine evan­ge­li­sche Christin. Sie hat­ten vier Töchter und einen Sohn, die als soge­nann­te »Halbjuden« die NS-Zeit über­leb­ten. Hermann hei­ra­te­te 1913 Johanna Pinz aus Dülmen. Aus die­ser Ehe gin­gen vier Kinder her­vor, von denen die Tochter Helene acht­zehn­jäh­rig und der Sohn Helmut im Alter von zwei Monaten star­ben. In kur­zen Abständen ver­lor Hermann Auerbach sei­ne Brüder Jakob (1933 ), Max (1935) und Moritz (1936). Die Geschäfte gin­gen immer mehr zurück. Schon 1933 wur­de das Kontor in Essen »ari­siert« und der Handel immer stär­ker ein­ge­schränkt. Trotzdem beschäf­tig­te er sei­ne drei Angestellten bis zur end­gül­ti­gen Schließung im Jahre 1938 wei­ter.

Familien Max und Hermann Auerbach

Bahnhofstraße 203 a (heu­te Hausnummer 12)
oben: Oma Fernholz
Erdgeschoß: Max, Laura, Lore, Hilde
vor der Tür: Frl. Rieken, Ilse, Julie, Margot, Leni (Töchter von Hermann Auerbach)

Das gro­ße Haus der Familie an der Bahnhofstraße war nach dem Synagogenbrand das »Judenhaus« in TeIgte, weil dort die Familie Mildenberg und die Familie sei­nes Vetters Jakob Zuflucht gefun­den hat­ten.

Ilse und Margot hat­ten ein Visum für die USA bekom­men und konn­ten am 26. August 1938 aus­wan­dern. Auch die Eltern stell­ten am 9. Dezember 1938 einen Antrag auf ein Visum für die USA. Doch die­se Hoffnung zer­rann, und nach dem Zwangsverkauf ihres gro­ßen Besitzes muss­ten sie am 23. Mai 1940 Telgte ver­las­sen, das seit Generationen Heimat ihrer Familie war.

Führerschein von Hermann Auerbach

Führerschein von Hermann Auerbach

Sie fan­den in Hildesheim vor­über­ge­hend eine neue Bleibe. Am 31. März 1942 wur­den sie mit 1000 Juden aus Niedersachsen in das Warschauer Getto depor­tiert. Unter dem Datum vom 8. Juni 1942 erhiel­ten ihre Töchter in den USA eine letz­te Rote-Kreuz-Karte mit Grüßen aus Warschau. Dann ver­liert sich ihre Spur.
Sie sind ent­we­der an den Entbehrungen im Getto gestor­ben oder nach Treblinka in das Vernichtungslager gebracht wor­den.

1938 Familie Hermann Auerbach

Hermann und Johanna Auerbach mit Töchtern Margot und Ilse vor der Ausreise 1938