Geschichte der Juden in Telgte

NS-Zeit

1942: SA-Aufmarsch in Telgte

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die jüdi­sche Gemeinde auf 31 Personen geschrumpft. Im Jahre 1933 leb­ten in Telgte noch vier jüdi­sche Familien mit 17 Personen. Die drei Familien Auerbach waren Metzger und Viehhändler. Die »Gebrüder Auerbach«, Max, Hermann und Moritz, betrie­ben ein weit ver­zweig­tes Viehhandelsgeschäft mit einer Agentur am Essener Großmarkt.

Der Boykott jüdi­scher Geschäfte führ­te schon 1933 dazu, dass die­se Agentur an einen »ari­schen« Konkurrenten ver­ge­ben wur­de. Der plan­mä­ßig geschür­te Hass und eine Flut von dis­kri­mi­nie­ren­den Maßnahmen und Erlassen eng­ten das Leben immer stär­ker ein. Die christ­li­chen Angestellten wur­den von fana­ti­schen SA-Männern als »Judenknechte« ange­pö­belt und bedroht. Die Geschäfte gin­gen zurück.

1942: SA-Aufmarsch in Telgte

SA-Aufmarsch in Telgte 1942 (Stadtarchiv Telgte)

Rudolf Hess wird auf dem Marktplatz von Telgte begrüßt (26.3.1936)

26.3.1936 Rudolf Hess wird auf dem Marktplatz von Telgte begrüßt (Stadtarchiv Telgte)

Reichspogromnacht

Die Synagoge in Telgte brann­te erst in der Nacht vom 10. auf den 11. November ab, als alle wei­te­ren Aktionen schon ver­bo­ten waren. Der Grund für die­se auf­fal­len­de Abweichung von den Ereignissen in allen ande­ren Orten des Münsterlandes war das NEIN eines muti­gen Mannes.

Die SA befürch­te­te bei der engen Bebauung rund um die Synagoge einen Großbrand. Daher gab die SA an den Leiter des RAD (Reichsarbeitsdienst) in Telgte, Oberstfeldmeister Robert Weber, den Befehl durch: »Sie haben mit ihrer Abteilung, aus­ge­rüs­tet mit Hacke und Spaten anzu­tre­ten und die Telgter Synagaoge kalt abzu­bre­chen.« Dieser wei­ger­te sich, den Befehl aus­zu­füh­ren: »Ich zer­stö­re kei­ne Kirchen.« Sein Vorgesetzter hat die­se Entscheidung aner­kannt und voll gedeckt. Robert Weber hat Tagebuch geführt. Der Eintrag vom 10. November 1938 (es muss der 11. gewe­sen sein!) lau­te­te: »Synagoge zer­stört. Am Nachmittag war ich kurz da. Halb Telgte am Tatort. Größte Kulturschande.«

Nach dem Krieg kehr­te er nach Telgte zurück. Im Prozeß gegen die Brandstifter 1947 war Robert Weber ein wich­ti­ger Zeuge. Der Vorsitzende Richter sag­te in öffent­li­cher Verhandlung: »Hätten eini­ge Hunderttausend in der NS-Zeit so gehan­delt, wäre Deutschland viel erspart geblie­ben.«

Aufmarsch des Deutschen Reichsarbeitsdienstes

Aufmarsch des Deutschen Reichsarbeitsdienstes (Stadtarchiv Telgte)

Robert Weber, RAD-Leiter in Telgte

Robert Weber, RAD-Leiter in Telgte (Stadtarchiv Telgte)

1985 Robert Weber

1985 Robert Weber zu Besuch in der Klasse 10 der Realschule Telgte von Frau Hermersdorfer (Stadtarchiv Telgte)