Am Samstag, dem 23. Juni 2018, findet um 15 Uhr eine Stadtführung mit dem Schwerpunkt »Jüdische Spuren in Telgte« statt. Treffpunkt ist auf dem Marktplatz.
Hier werden Gertrud Stümper und Peter Kröner erste Erläuterungen zum Thema vortragen. Anschließend erfolgt ein Rundgang durch die Altstadt.
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Opfer der Euthanasie
Die Nazis verfolgten und ermordeten Kranke und Menschen mit Behinderung ebenso wie Juden und andere Gruppen. Mit den Forschungen der »Rassenhygieniker« wurde ab Herbst 1939 der als »Euthanasie« bezeichnete Mord an den Menschen gerechtfertigt, deren Leben nach NS-Ideologie »nicht lebenswert« war.
Julie Löwenstein
Julie Löwenstein wurde am 24.12.1897 in Rietberg geboren. Sie war nicht nur Jüdin, sondern auch psychisch krank und befand sich bereits zur Zeit des Novemberpogroms 1938 in der Heil- und Pflegeanstalt St. Rochus in Telgte. Da nach Ansicht des Reichsinnenministeriums eine gemeinsame Unterbringung von Juden und Nichtjuden in Pflegeanstalten unzumutbar sei, wurden die jüdischen Geisteskranken zunächst in eine Zwischenanstalt verlegt.
Bernhard Möller
Bernhard Möller wurde am 6. Juni 1930 in Münster geboren und wohnte mit seiner Familie in Telgte. Er litt an »mongolischer Idiotie« (heutiger Name »Trisomie 21«). Die Eltern behielten ihr Kind zu Hause bis zum Jahr 1940.
Anton Erich Sauerland
Anton Erich Sauerland wurde am 29.01.1920 in Telgte geboren. Er wog bei der Geburt nur zwei Pfund, und bis zum Alter von zwei Jahren wusste man nicht, ob er durchkommen würde. Er lernte erst mit drei Jahren sprechen und mit fünf Jahren laufen. Der Telgter Arzt Dr. Koch empfahl 1928, dass der Junge eine Hilfsschule besuchen sollte, um fürs Leben einige Kenntnisse mitzunehmen.
Bernhard Lütke Grachtrup
Bernhard Lütke Grachtrup wurde am 28.03.1887 in Telgte geboren. Er lebte elf Jahre bei seiner Familie. Wegen seiner geistigen Behinderung kam er 1898 in die Heilanstalt Niedermarsberg, wo er in die Anstaltsschule eingewiesen wurde.
Die Schulakte für die Jahre 1901 und 1902 zeigt, dass er dem Unterricht nicht folgen konnte, weswegen er 1903 aus der Schule entlassen wurde. Anschließend kam er bis 1931 nach Ensen bei Köln in eine Einrichtung der Alexianer.
Oskar Rolf
Oskar Rolf wurde am 4. Februar 1916 geboren und lebte mit seiner Familie in Telgte. Dort besuchte er zwar die Schule, aber da ihm das Lernen schwerfiel, verließ er diese bereits nach der vierten Klasse als 16-Jähriger.
Sophia Serphos
Sophia Serphos kam am 12.06.1891 in Neuenhaus in der Grafschaft Bentheim zur Welt, besaß wie ihr Vater die niederländische Staatsbürgerschaft und war Jüdin. Da sie geistig behindert war, kam sie nach dem Tod des Vaters 1912 und dem der Mutter 1924 am 30.10.1924 in das St. Rochus-Hospital.
Gladys Strauß
Gladys Strauß wurde als Gladys Marx am 10.10.1910 in London geboren und heiratete später den Kaufmann Fritz Strauß in Dortmund. Am 12. März 1937 ist sie in der dortigen Wittekindstr. 29 gemeldet.
27.01.2018 Einladung zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus
Zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus laden die Stadt Telgte und der Verein Erinnerung und Mahnung gemeinsam zu einer Veranstaltung ein.
Vortrag: Matthias M. Ester M.A. Riga – Tatort und Gedenkort der Telgter Stadtgeschichte // Termin: Sa., 27.01.2018, 11.00 // Ort: Rathaussaal


