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Hans und Fritzi Mildenberg in Israel mit Sohn Rafi

Vortrag: Die Familie Mildenberg in Lengerich und Telgte

Der Verein „Erinnerung und Mahnung Telgte“ lädt anläss­lich des 81. Gedenktages an die reichs­wei­ten Novemberpogrome zu einer Vortragsveranstaltung ein.

Die Familie Mildenberg in Lengerich und Telgte
Verfolgung – Emigration – Wiedergutmachung

Referent: Bernd Hammerschmidt
Termin: Samstag, 09.11.2019, 11.00 Uhr
Ort: Pfarrheim St. Johannes, An der Johanneskirche 1, Telgte

Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Im Mittelpunkt die­ses Vortrages steht die aus Lengerich stam­men­de jüdi­sche Familie Mildenberg. Hans Mildenberg, der sei­ne Jugendjahre in Telgte ver­brach­te, wur­de – eben­so wie sein Onkel Hermann – gede­mü­tigt und zur Ausreise aus Deutschland gezwungen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bemüh­ten sich bei­de um eine mate­ri­el­le Wiedergutmachung für das Leid, das ihnen und ihren Familien wäh­rend der NS-Zeit zuge­fügt wor­den war.
Der Vortrag skiz­ziert den Verlauf der Verfahren, zeigt die Schwierigkeiten auf, mit denen die Antragsteller kon­fron­tiert waren, und wirft die Frage auf, inwie­weit das Unrecht, das jüdi­sche Mitbürger einst erlei­den muss­ten, wie­der „gut-gemacht“ wer­den kann.

Stadtrundgang zu den Orten jüdischen Lebens in Telgte

In Zusammenarbeit mit der Stadttouristik Telgte bot der Verein Erinnerung und Mahnung Telgte am Sonntag, 29.09.2019, einen Rundgang zu den Orten jüdi­schen Lebens in Telgte an. Trotz hef­ti­gen Dauerregens waren ca. 15 Interessierte die­ser Einladung gefolgt. Unter der sach­kun­di­gen Leitung von Gertrud Stümper wur­de die 400jährige Geschichte jüdi­schen Lebens in Telgte erleb­bar, die mit der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Verfolgung ein jähes Ende fand. Die Geschichte der jüdi­schen Familien ins­be­son­de­re wäh­rend der NS-Zeit wur­de plas­tisch dar­ge­stellt. Die Orte der ehe­ma­li­gen Synagogengebäude und Friedhöfe wur­den, soweit zugäng­lich und ange­sichts der Wetterverhältnisse mög­lich, besucht. Interessierte kön­nen die Stationen auf einem Flyer (erhält­lich im Treffpunkt Telgte) nachlesen.

Stolpersteinverlegung in Telgte 2019

Der Einladung des Vereins »Erinnerung und Mahnung Telgte« zur Stolpersteinverlegung am 9.02.2019 war eine große Zahl von Interessierten gefolgt.

In sei­ner Begrüßung im Rathausfoyer wies Bürgermeister Wolfgang Pieper dar­auf hin, wie wich­tig es ange­sichts aktu­el­ler Tendenzen zu Ausgrenzung und Diskriminierung ist, die Erinnerung wach­zu­hal­ten und im wahrs­ten Sinne dar­über zu »stol­pern«. Frau Dr. Elkeles als Vereinsvorsitzende dank­te vor allem den groß­zü­gi­gen Spendern, ohne die die­se Aktion nicht mög­lich gewe­sen wäre. Es folg­te ein Vortrag von Professor Dr. Peter Kröner, der den engen ideo­lo­gi­schen Zusammenhang zwi­schen Krankenmorden und Judenvernichtung belegte.

Direkt im Anschluss wur­den durch den Künstler Gunter Demnig  die ers­ten bei­den Stolpersteine für Bernhard Möller und Bernhard Lütke Grachtrup ver­legt. Die letz­te frei gewähl­te Wohnung lag für bei­de im ehe­ma­li­gen Kirchspiel. Daher wur­den die Steine an zen­tra­ler Stelle der Stadt direkt vor dem Rathaus gesetzt.

Zur nächs­ten Stelle in der Dr. Josef Koch Straße 4 muss­ten die Teilnehmer nur weni­ge Meter zurück­le­gen. Hier leb­te Anton Erich Sauerland. Der vier­te Stein in der Innenstadt für Oskar Rolf wur­de im Anschluss vor dem Eingang zur Tiefgarage der Volksbank in der Ritterstrasse 64, dem ehe­ma­li­gen Standort des »Langen Jammers«, ver­legt. Dort lie­gen schon zwei Steine für Josef und Maria Unger, die als soge­nann­te »Zigeuner« ver­folgt und ermor­det wurden.

An den ein­zel­nen Stellen ver­las Frau Dr. Dorothea Beck Kurzbiographien der Opfer. Ein Gebetstext, gespro­chen durch Arnold Michels, gab den Anwesenden Gelegenheit, ihre Trauer und inne­re Bewegtheit in Worte zu fas­sen. Eine durch Gertrud Stümper auf jedem Stein nie­der­ge­leg­te wei­ße Rose ver­lieh der Szene eine erns­te Würde. Musikalisch wur­den die Verlegungen von kur­zen Sätzen für Frauenterzett umrahmt (Iris Becker, Barbara Elkeles, Claudia Zumbrock).

Nach einer klei­nen Pause, in der sich die Teilnehmer in der Cafeteria des St. Rochus-Hospitals mit einem Kaffee auf­wär­men konn­ten, wur­den vor der Kapelle des St. Rochus-Hospitals Stolpersteine für die ehe­ma­li­gen jüdi­schen Patientinnen Gladys Strauss und Sophia Serphos gesetzt. Die Gestaltung hat­ten die dor­ti­gen Verantwortlichen und Mitarbeiter über­nom­men. Einer Begrüßung durch den Ärztlichen Direktor, Professor Dr. med. Matthias Rothermundt, folg­ten Kurzbiographien der Opfer, ver­le­sen durch Mitarbeiterinnen des Langzeitbereichs. Die städ­ti­sche Musikschule steu­er­te Klezmer-Musik bei, durch den Krankenhausseelsorger Peter von Elst wur­de ein Bußpsalm in der Übersetzung von Martin Buber verlesen.

Nach der Veranstaltung waren vie­le Teilnehmer tief bewegt und ergrif­fen. Unsere Stadt besitzt durch die neu­en Stolpersteine wei­te­re Erinnerungsorte, die das Gedenken an die Opfer und das Ihnen zuge­füg­te Unrecht wach halten.

Zum Schluss ein paar Worte in eigener Sache:

Der Verein »Erinnerung und Mahnung Telgte« hat sich die Pflege die­ser Erinnerungskultur zur Aufgabe gesetzt. Um die­se Aufgaben auch wei­ter­hin erfül­len zu kön­nen, sind wir auf Ihre Unterstützung ange­wie­sen. Das kann in Form einer akti­ven Mitarbeit gesche­hen. Wir freu­en wir uns aber auch, wenn Sie uns ein­fach durch Ihren Beitritt und damit durch Ihre Mitgliedsbeiträge unterstützen.
Dr. Barbara Elkeles

Bildergalerie zur Verlegung der Stolpersteine am 9. Februar in Telgte.

Fotos: Kordula Rüter, letz­tes Foto in der Reihe: WN Telgte


Einladung zur Stolpersteinverlegung

In den ver­gan­ge­nen Jahrzehnten wur­de in Telgte vor allem durch das Engagement von Ludwig Rüter das Schicksal ehe­ma­li­ger jüdi­scher Mitbürger auf­ge­ar­bei­tet. Vor den ehe­ma­li­gen Wohnungen wur­den im Jahr 2004 Stolpersteine ver­legt. Aber auch geis­tig behin­der­te und psy­chisch kran­ke Menschen wur­den Opfer der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Rassenpolitik. Ihr Schicksal ist in der 2017 erschie­ne­nen Neuauflage des „Gedenkbuches für Telgter Opfer des Nationalsozialismus“ dokumentiert.

Darunter war Bernhard Möller, der an dem soge­nann­ten Down-Syndrom litt. Er leb­te mit sei­ner Familie in der Bauernschaft Schwienhorst. Im Jahr 1940 kam er als Zehnjähriger in die Heil- und Pflegeanstalt Niedermarsberg in Westfalen, am 17.10.1943 wur­de er nach meh­re­ren „Verlegungen“ in der soge­nann­ten Kinderfachabteilung Meseritz-Oberwalde in der Provinz Posen ermor­det. Der Familie wur­de als Todesursache „Herzmuskelschwäche“ mit­ge­teilt. Auch der 1916 in Telgte gebo­re­ne Oskar Rolf, der an einer geis­ti­gen Behinderung und epi­lep­ti­schen Anfälleln litt, wur­de Opfer der Krankenmorde: Über meh­re­re Zwischenstationen wur­de er schließ­lich in die Anstalt Hadamar in Hessen ver­legt, wo er am 30.10.1944 umge­bracht wur­de. Das Schicksal der wei­te­ren Opfer kann im Gedenkbuch und auf die­ser Website des Vereins nach­ge­le­sen werden.

Auch die­ser ehe­ma­li­gen Telgter soll nun durch Stolpersteine gedacht wer­den. Die Steine wird der Künstler Gunter Demnig am 9. Februar 2019 ver­le­gen. Um 11.30 begin­nen wir mit einer Einführungsveranstaltung im Rathausfoyer. Hier wird Herr Prof. Dr. Peter Kröner in einem kur­zen Vortrag die ideo­lo­gi­schen Zusammenhänge zwi­schen Krankenmorden und Judenvernichtung erklä­ren. Anschließend wer­den die vier Steine in der Innenstadt ver­legt. Gegen 13.15 Uhr fol­gen am St. Rochus-Hospital zwei wei­te­re Verlegungen für die ehe­ma­li­gen jüdi­schen Patientinnen Gladys Strauss und Sophia Serphos.

Zu der Verlegung der Stolpersteine am 09.02.2019 lädt der Verein herz­lich ein. Wer einen Stolperstein – Preis 120 Euro – stif­ten oder mit einer Spende zu der Aktion bei­tra­gen möch­te, ist dazu herz­lich eingeladen.

Die Telgter Synagoge, einzigartiges Zeugnis jüdischen Lebens im Münsterland

Vortrag von Dr. phil. Fred Kaspar

Sa. 10.11. | 11.00
Gemeindehaus St. Johannes, Einener Str. 3, 48291 Telgte

Am 10.11.1938 wur­de die 1875 errich­te­ten Synagoge in der Königstrasse im Rahmen der Novemberpogrome ver­wüs­tet, gebrand­schatzt und zer­stört. Genau 80 Jahre spä­ter lud der Verein Erinnerung und Mahnung Telgte am letz­ten Samstag zu einer Vortragsveranstaltung ins Pfarrzentrum St. Johannes ein, der mehr als acht­zig Teilnehmer folgten.

Alte Synagoge Telgte

Alte Synagoge Telgte

Alte Synagoge Telgte, Innenraum

Alte Synagoge Telgte, Innenraum

In einem fas­zi­nie­ren­den Vortrag  berich­te­te Dr. phil. Fred Kaspar über ein älte­res ehe­mals als Synagoge genutz­tes Gebäude in Telgte. Es gilt als ältes­te erhal­ten geblie­be­ne Synagoge Westfalens. Dieses in einem Innenhof gele­ge­ne Fachwerkgebäude ent­stand spä­tes­tens um 1500. Damit ist es zudem auch eines der ältes­ten Gebäude Telgtes. Es wur­de 1992 in die Denkmalliste der Stadt eingetragen.

Im 18. Jahrhundert leb­ten in Telgte meh­re­re wohl­ha­ben­de jüdi­sche Familien, drei von ihnen in den direkt angren­zen­den Häusern zwi­schen Ems- und Steinstraße. Sie gestal­te­ten den im Innenhof zwi­schen ihren Häusern gele­ge­nen ehe­ma­li­gen Speicher zu einer ansehn­li­chen Synagoge um: Hohe Bleiglasfenster auf bei­den Seiten spen­de­ten Licht. Reste von Holzschnitzereien und Inneneinbauten sind erhal­ten. Das Gebäude zeugt bis heu­te davon, dass Telgte neben Warendorf über Jahrhunderte ein Zentrum jüdi­schen Lebens im Münsterland dar­stell­te. In der Stadt Münster durf­ten sich Juden dage­gen erst ab 1803 dau­er­haft niederlassen.

Vortrag von Dr. Kaspar, 10.11.2018

In der nach­fol­gen­den Diskussion wur­de mehr­fach der drin­gen­de Wunsch geäu­ßert, dass die­ses ein­zig­ar­ti­ge Kulturdenkmal auf Zukunft gesi­chert blei­ben muss, zudem wie­der her­ge­rich­tet und der Öffentlichkeit als Gedenkort zugäng­lich gemacht wird. Bürgermeister Wolfgang Pieper ver­wies auf den Stolz vie­ler Eigentümer auf einen kul­tur­ge­schicht­lich bedeut­sa­men denk­mal­ge­schütz­ten Besitz. Denkmalschutz die­ne dazu, Eigentümer beim Erhalt ihrer his­to­ri­schen Bauten zu unter­stüt­zen. Er stell­te eine Einbindung der ehe­ma­li­gen Synagoge in ein städ­te­bau­li­ches Gesamtkonzept in Aussicht. Derzeit wür­den zu dem Thema sehr kon­struk­ti­ve Gespräche geführt.

Weiterführende Informationen:
Frühe Geschichte der Juden in Telgte

Alfred Auerbach 1988 in Telgte

Kontakt mit Alfred Auerbach

Im Rahmen ihrer Forschungen 1980 beka­men die bei­den Schüler von Frau Groneck die Anschrift von Alfred Auerbach in Tel Aviv. Sie schrie­ben ihm einen lan­gen Brief mit Fragen zu strit­ti­gen Aussagen zum Thema. Es kam kei­ne Antwort. Später hat sich Alfred Auerbach dafür ent­schul­digt. Er habe den Brief wochen­lang mit sich her­um­ge­tra­gen, ohne die Kraft zu fin­den, dar­auf zu antworten.

1985 hat die Stadt Telgte die Schülerarbeit als Buch her­aus­ge­bracht. Wir schick­ten ein Exemplar mit guten Wünschen an Alfred Auerbach, der dar­auf reagier­te und die­sen Brief schrieb. Nach wei­te­ren Nachforschungen erfolg­te 1989 der Kontakt zu Ilse Auerbach und spä­ter zur Familie Mildenberg in Israel.

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1989, Ilse Auerbach

Kontakt mit Ilse Auerbach

Ilse und ihre Schwester Margot waren die Töchter des Ehepaares Jenny und Hermann Auerbach, wohn­haft in der Bahnhofstraße (heu­te Atelier Akzente). Hermann und sei­ne Brüder Max und Moritz führ­ten das flo­rie­ren­de Unternehmen. Sie waren wie ihre Vorfahren Metzger und Viehhändler. Hermann war ein ange­se­he­ner, unbe­schol­te­ner Bürger, der im 1. Weltkrieg gekämpft hat­te und mehr­fach aus­ge­zeich­net wor­den war. Aber seit 1933 gin­gen die Geschäfte durch fort­lau­fend ein­schrän­ken­de und dis­kri­mi­nie­ren­de Erlasse und Verordnungen emp­find­lich zurück und die Hetze gegen Juden nahm immer mehr zu, so dass er für sei­ne Töchter kei­ne Zukunft mehr in Deutschland sah.

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Fritzi Mildenberg mit Peter Jannssens

Kontakt mit Fritzi Mildenberg

Dank jah­re­lan­ger Nachforschungen konn­te in Erfahrung gebracht wer­den, dass Hans Mildenberg schon 1964 gestor­ben war, aber sei­ne Frau, Fritzi Mildenberg, noch leb­te, und zwar in Bat Yam, nicht weit von Tel Aviv entfernt.

Nach ers­ten Briefwechseln orga­ni­sier­te Ludwig Rüter den Besuch Fritzi Mildenbergs. Durch eine Spendenaktion kam das Geld für den Flug nach Deutschland und einen acht­tä­gi­gen Aufenthalt in Telgte zusam­men, da die Witwe allein die Reisekosten nicht auf­brin­gen konnte.
So wur­de es mög­lich, dass sie zusam­men mit ihrem Sohn Meir und des­sen Frau zum ers­ten Mal im August 1998 der Heimat ihres ver­stor­be­nen Mannes einen Besuch abstattete.

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Opfer der Euthanasie

Die Nazis ver­folg­ten und ermor­de­ten Kranke und Menschen mit Behinderung eben­so wie Juden und ande­re Gruppen. Mit den Forschungen der »Rassenhygieniker« wur­de ab Herbst 1939 der als »Euthanasie« bezeich­ne­te Mord an den Menschen gerecht­fer­tigt, deren Leben nach NS-Ideologie »nicht lebens­wert« war.

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Familie Löwenstein

Julie Löwenstein

Julie Löwenstein wur­de am 24.12.1897 in Rietberg gebo­ren. Sie war nicht nur Jüdin, son­dern auch psy­chisch krank und befand sich bereits zur Zeit des Novemberpogroms 1938 in der Heil- und Pflegeanstalt St. Rochus in Telgte. Da nach Ansicht des Reichsinnenministeriums eine gemein­sa­me Unterbringung von Juden und Nichtjuden in Pflegeanstalten unzu­mut­bar sei, wur­den die jüdi­schen Geisteskranken zunächst in eine Zwischenanstalt verlegt.

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